Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Draft: acht Leute um einen Tisch, jeder mit drei ungeöffneten Boosterpacks vor sich, und ich hatte keine Ahnung, was ich picken sollte. Nach drei Stunden hatte ich nicht nur verloren — ich hatte trotzdem mehr Spaß als bei jedem anderen Spielformat, das ich bis dahin gespielt hatte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beim Booster Draft öffnen 8 Spieler je 3 Boosterpacks und picken reihum je eine Karte — das Ergebnis ist dein Deck
- Nach dem Draft baust du aus deinen gepickten Karten ein 40-Karten-Deck mit mindestens 23 Karten und 17 Ländern — 2 Farben sind für Einsteiger empfohlen
- Die stärksten Karten zum frühen Picken sind Removal-Zauber, starke Kreaturen und sogenannte Bomben — Karten, die das Spiel alleine gewinnen können
- Signaling nennt man das Ablesen der Farben deiner Tischnachbarn anhand der Karten, die sie nicht picken — ein zentrales Draft-Konzept
- Cube Draft ist eine beliebte Variante mit einem selbst zusammengestellten Kartenpool anstelle frischer Boosterpacks
- Auf MTG Arena gibt es Premier Draft und Traditional Draft — beide folgen denselben Grundregeln, unterscheiden sich aber in Spielanzahl und Belohnungen
Draft ist meiner Meinung nach das sozialste, dynamischste und abwechslungsreichste Format in Magic: The Gathering. Jede Runde ist anders, weil jeder Draft ein anderes Kartenpool erzeugt. Du baust nicht monatelang an einem optimierten Deck — du baust es in zwanzig Minuten aus dem, was dir andere Spieler übrig lassen. Und genau darin liegt der Reiz.
In diesem Ratgeber erkläre ich dir den vollständigen Ablauf eines Booster Drafts, wie du dein Deck baust, welche Karten du früh picken solltest und was es mit Konzepten wie Signaling und Synergien auf sich hat. Außerdem schauen wir uns Cube Draft, Winston Draft und Draft auf MTG Arena an.
Was ist Booster Draft in Magic?
Booster Draft ist eines der sogenannten Limited-Formate in Magic: The Gathering. „Limited” bedeutet, dass du nicht aus einer fertigen Sammlung spielst, sondern dein Deck aus einem frisch geöffneten Kartenpool zusammenstellst. Das Gegenstück zu Limited sind die Constructed-Formate wie Standard, Pioneer oder Modern, bei denen du dein Deck vorab aus eigenen Karten zusammenstellst.
Was Draft so besonders macht: Der Kartenpool ist nicht nur zufällig zusammengewürfelt — er entsteht durch eine gemeinschaftliche Auswahl. Acht Spieler picken gemeinsam aus denselben Packs, und die Entscheidung jedes Einzelnen beeinflusst, was den anderen noch zur Verfügung steht. Das macht Draft nicht nur zu einem Deckbau-Puzzle, sondern auch zu einem sozialen Spiel.
Draft findet typischerweise an sogenannten FNM-Abenden (Friday Night Magic) in Spieleläden statt, bei Turnieren (Prereleases, Grand Prix, Pro Tours) und natürlich auch online auf MTG Arena. Du brauchst keine eigene Kartensammlung — du kaufst einfach drei Boosterpacks, und das war’s.
Ein Boosterdraft-Set der aktuellen Draft-Boosters enthält in der Regel 14 spielbare Karten und 1 Landsarte (oder 15 spielbare Karten ohne Land, je nach Set). Auf Arena bekommst du diese drei Packs nicht einzeln gekauft, sondern automatisch als Teil des Draft-Events, sobald du mit Gems oder Gold eingetreten bist.
Wie läuft ein Booster Draft Schritt für Schritt ab?
Der Ablauf eines Booster Drafts ist streng strukturiert und immer gleich, egal ob du zum ersten Mal oder zum hundertsten Mal am Tisch sitzt. Ich erkläre dir jeden Schritt.
Schritt 1: Vorbereitung
Acht Spieler setzen sich an einen Tisch. Jeder hat drei ungeöffnete Boosterpacks vor sich. Die Spieler werden in einer Runde nummeriert (1 bis 8), und es wird festgelegt, wer in welche Richtung passiert. In der ersten Runde wird meistens im Uhrzeigersinn gepasst, in der zweiten entgegen dem Uhrzeigersinn, in der dritten wieder im Uhrzeigersinn.
Schritt 2: Das erste Pack öffnen
Alle Spieler öffnen gleichzeitig ihr erstes Pack. Jeder schaut sich seine Karten an, pickt eine einzige Karte — die beste, die für sein zukünftiges Deck relevant erscheint — und legt den Rest des Packs verdeckt auf den Tisch. Die gepickte Karte kommt in den eigenen Kartenstapel.
Schritt 3: Packs weitergeben
Sobald alle ihre Karte gepickt haben, werden die Packs (mit den verbleibenden 13 Karten) gleichzeitig in die festgelegte Richtung weitergegeben. Jeder Spieler erhält jetzt das Pack seines Nachbarn, schaut sich die Karten an, pickt wieder eine und gibt das verkleinerte Pack weiter.
Schritt 4: Wiederholen bis das Pack leer ist
Dieser Prozess wird wiederholt, bis alle Karten des ersten Packs gepickt wurden. Das letzte Pack hat nur noch eine Karte — die nimmt der Spieler, der es erhält, automatisch.
Schritt 5: Das zweite und dritte Pack
Nach dem ersten Pack öffnen alle ihr zweites Pack. Jetzt wird in die entgegengesetzte Richtung gepasst. Der Prozess wiederholt sich identisch. Danach folgt das dritte Pack, wieder in die ursprüngliche Richtung. Nach insgesamt drei Runden hat jeder Spieler 45 Karten gepickt (3 Packs × 15 Karten).
Schritt 6: Deckbau
Nach dem Draft ist die Pickphase beendet. Jetzt haben alle Spieler etwa 20 bis 30 Minuten Zeit, aus ihren gepickten Karten ein spielbares Deck zu bauen. Wie das genau funktioniert, erkläre ich im nächsten Abschnitt.
Schritt 7: Spielen
Nach dem Deckbau spielen alle Spieler gegeneinander. In einem typischen FNM-Draft gibt es drei Runden (Best of 3), in größeren Turnieren mehr. Zwischen den Spielen darfst du dein Deck anpassen (Sideboarden) — und zwar aus allen Karten, die du gepickt hast, aber nicht in deinem Hauptdeck sind.
Auf einen Blick
- 8 Spieler, 3 Packs pro Person, 15 Karten pro Pack
- Jede Runde: Pack öffnen → eine Karte picken → Pack weitergeben
- Pack-1 im Uhrzeigersinn, Pack-2 entgegen, Pack-3 wieder im Uhrzeigersinn
- Nach 45 Picks: Deckbau (ca. 20–30 Minuten), dann spielen
Wie baut man nach dem Draft ein Deck?
Nach dem Draft hast du 45 Karten gepickt, aber dein Deck besteht aus genau 40 Karten. Du musst also 5 Karten aussortieren. Das klingt einfach — und grundsätzlich ist es das auch — aber die Deckbau-Entscheidungen, die du jetzt triffst, sind mindestens genauso wichtig wie deine Picks.
Die Grundregel: 40 Karten, 17 Länder
Ein Limited-Deck besteht aus genau 40 Karten. Anders als im Constructed (dort sind 60 Karten Minimum) sind 40 Karten die Norm. Die Zusammensetzung folgt einer bewährten Faustregel:
- 17 Länder (Lands)
- 23 spielbare Karten (Kreaturen, Zauber, Artefakte, Verzauberungen)
17 Länder sorgen dafür, dass du in den meisten Partien zuverlässig deinen Manafluss aufrechterhalten kannst. Mit weniger Ländern riskierst du häufigen Mana-Screw (zu wenig Mana), mit mehr Ländern läufst du Gefahr, zu viele davon zu ziehen und zu wenig zu tun (Mana-Flood). 17 ist der empirisch bewährte Kompromiss.
Zwei Farben — und nicht mehr
Die wichtigste Deckbau-Entscheidung im Draft ist die Farbwahl. Für Einsteiger gilt eine eiserne Regel: Spielst du zwei Farben. Nie drei, selten eine.
Der Grund ist simpel: Bei 17 Ländern ist es mit zwei Farben zuverlässig möglich, konsistente Manabasen zu bauen. Drei Farben erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Mana-Problemen dramatisch. Im Limited gibt es in der Regel auch keine Fetchlands oder andere Mana-Fixingkarten in ausreichender Zahl.
Gelegentlich gibt es Karten, die Mana-Fixing liefern — zum Beispiel Dual-Lands, Ramp-Zauber oder Artefakte, die dir jede beliebige Manafarbe geben. Wenn du viele solcher Karten gepickt hast, kannst du auch drei Farben in Betracht ziehen. Als Einsteiger würde ich das aber erst probieren, wenn du das Format schon ein bisschen kennst.
Wie viele Kreaturen brauche ich?
Eine weitere Faustregel: 13 bis 17 Kreaturen im Deck sind in den meisten Drafts sinnvoll. Du willst genug Kreaturen, um Druck aufzubauen oder zu blocken, aber auch genug Zauber, um die Partie zu beeinflussen.
In aggressiven Decks (dazu später mehr) tendierst du eher zu 17 Kreaturen und wenigen Zaubersprüchen. In Kontroll-orientierten Decks kann die Anzahl auf 13 sinken, wenn du dafür mehr Removal und Counterspells hast.
Die Mana-Kurve beachten
Gerade im Limited spielt die Manakurve eine wichtige Rolle. Du willst in jedem Zug etwas tun. Deshalb brauchst du genug günstige Karten (1-2 Mana), solide Karten im Mittelfeld (3-4 Mana) und einige starke späte Karten (5+ Mana), aber nicht zu viele. Ein Deck voller 5-Mana-Karten verliert einfach die ersten vier Züge, ohne etwas zu tun.
Eine gute Faustregel für die Kurve im Limited: 2–3 Eins-Mana-Karten, 4–6 Zwei-Mana-Karten, 5–7 Drei-Mana-Karten, 3–4 Vier-Mana-Karten, 1–3 Fünf-Plus-Karten.
Auf einen Blick
- Genau 40 Karten im Deck — nicht mehr, nicht weniger
- 17 Länder, 23 spielbare Karten
- Zwei Farben als Einsteiger — mehr Farben nur mit ausreichend Mana-Fixing
- 13–17 Kreaturen je nach Deck-Ausrichtung
- Kurve beachten: Karten auf jeden Manapoint verteilen
Welche Karten sollte man früh picken?
Das ist die Frage, die sich jeder Draft-Einsteiger stellt — und die keine universelle Antwort hat, weil sie vom jeweiligen Set abhängt. Trotzdem gibt es bewährte Prinzipien, die in fast jedem Limited-Format gelten.
Removal ist König
Removal-Zauber — Karten, die gegnerische Kreaturen zerstören, ins Exil schicken oder temporär entfernen — sind in Draft fast immer die wertvollsten Karten im Pack. Sie lösen Probleme, die du sonst nicht lösen könntest. Eine starke Kreatur deines Gegners, die du nicht blocken kannst, kann ein Spiel alleine gewinnen. Ein guter Removal-Zauber stoppt das.
Typische Limited-Removal-Karten kosten 2 bis 4 Mana und töten oder sperren eine Kreatur dauerhaft. Spontanzauber-Removal ist in der Regel besser als Hexerei-Removal, weil du es in der Kampfphase oder auf den Stack spielen kannst.
Eine gute Faustregel: Picke deinen ersten Removal-Zauber fast immer, wenn kein eindeutiger Bomb-Pick im Pack ist. Zwei bis drei Removal-Karten im Deck sind ein solides Fundament.
Bomben nicht liegenlassen
„Bomb” ist der Slang für eine Karte, die das Spiel alleine gewinnen kann — ein mächtiger Planeswalker, eine Kreatur mit überwältigenden Stats und Fähigkeiten oder ein Zauber, der sofort mehrere Karten zieht. Wenn du eine echte Bombe siehst, greifst du fast immer danach, unabhängig davon, in welchen Farben du bist. Du passt dann dein Deck um die Bombe herum auf.
Starke Kreaturen mit gutem Statsverhältnis
Im Limited willst du Kreaturen, die für ihr Mana einen fairen oder überdurchschnittlichen Körper mitbringen und idealerweise noch eine nützliche Fähigkeit haben. Eine 3/3 für 3 Mana ist solide. Eine 3/3 mit Flying für 3 Mana ist sehr gut. Eine 3/3 mit Flying und einer positiven Fähigkeit ist eine Bombe.
Achte bei der Bewertung von Kreaturen auf das Statsverhältnis (Power + Toughness dividiert durch Manakosten), auf Keywords (Flying, Trample, First Strike, Deathtouch) und auf Fähigkeiten, die Kartenvorteil generieren.
Was du früh NICHT picken solltest
Reine Unterstützungskarten ohne eigene Wirkung, Auren die deine eigene Kreatur stärken (anfällig für Two-for-One-Verluste durch Removal), und teure Karten ohne unmittelbaren Einfluss aufs Spielgeschehen (7+ Mana) sollten früh nicht gepickt werden. Solche Karten kannst du in späteren Picks noch bekommen — starke Removal und Bomben sind dagegen nach dem zweiten Pick meist weg.
Auf einen Blick
- Stufe 1: Bomben (Planeswalker, übermächtige Kreaturen, spielverändernde Zauber)
- Stufe 2: Gutes Removal (Instant oder Sorcery, das Kreaturen dauerhaft entfernt)
- Stufe 3: Starke Kreaturen mit gutem Statsverhältnis und/oder nützlichen Keywords
- Stufe 4: Unterstützungszauber, Mana-Fixing, Synergiekarten
- Stufe 5: Alles andere (Sideboard-Material, Filler)
Signaling — was bedeutet das und warum ist es wichtig?
Signaling ist eines der fortgeschrittensten Konzepte im Draft — und gleichzeitig das, was Draft von einem einfachen Kartenspiel zu einem echten Mind-Game macht. Wenn du verstehst, was Signaling bedeutet, wird sich deine Draft-Performance spürbar verbessern.
Was ist Signaling?
Signaling beschreibt das Ablesen der Farben und Strategien deiner Tischnachbarn anhand der Karten, die sie dir weiterreichen — also der Karten, die sie nicht gepickt haben.
Wenn du im zweiten Pick eine sehr starke weiße Kreatur siehst, obwohl du weißt, dass das Pack über deinen linken Nachbarn zu dir kam, bedeutet das: Dein linker Nachbar hat diese Karte nicht genommen. Er spielt wahrscheinlich kein Weiß. Das ist ein Signal, dass Weiß an diesem Tisch offen ist — und du dort viele gute Karten bekommen wirst.
Warum ist Signaling so wichtig?
Im Draft sitzt du am Tisch und hast keine direkte Kontrolle darüber, was dein Nachbar pickt. Aber du hast indirekte Kontrolle: Wenn du in einer Farbe bleibst, die dein linker Nachbar ebenfalls spielt, werdet ihr euch gegenseitig die besten Karten wegnehmen. Das ist für beide schlecht.
Wenn du dagegen früh erkennst, dass dein linker Nachbar Blau-Schwarz spielt, und du dich auf Weiß-Grün konzentrierst, wirst du im zweiten Pack (das von links kommt) eine Menge gute Weiß-Grün-Karten finden — weil dein Nachbar sie nicht braucht.
Wie liest man Signale richtig?
Die erste Regel: Vertraue den Signalen nach Pick 4 oder 5. Die ersten Picks sagen dir noch nicht viel, weil jedes Pack immer mehrere starke Karten verschiedener Farben enthält. Erst wenn du anfängst, systematisch schwache Picks in einer bestimmten Farbe zu sehen, lässt sich daraus ein Muster ableiten.
Die zweite Regel: Achte auf die Qualität, nicht nur die Quantität. Wenn du in einem 9-Karten-Pack (also nach 6 Picks) noch drei gute rote Karten siehst, ist Rot eindeutig offen. Wenn du drei schwache rote Karten siehst, die niemand picken wollte, sagt das nichts über die Farbverteilung am Tisch aus.
Die dritte Regel: Bleibe flexibel in den ersten fünf Picks. Je länger du in deiner Farbwahl offen bleibst, desto besser kannst du auf Signale reagieren. Versuch nicht, schon im zweiten Pick deine zwei Farben festzuzurren.
Auf einen Blick
- Karten, die dein Nachbar dir weiterreicht, verraten seine Farben
- Viele gute Karten in einer Farbe = diese Farbe ist offen am Tisch
- Keine guten Karten in einer Farbe = diese Farbe ist besetzt
- Signale erst ab Pick 4–5 zuverlässig interpretieren
- Bleib in den frühen Picks flexibel
Die wichtigsten Draft-Strategien
Im Draft gibt es wie in allen Magic-Formaten verschiedene Deck-Archetypen. Welcher Archetyp am besten zu deinen gepickten Karten passt, entscheidet sich während des Drafts selbst — du kannst dir nicht vorab einen Plan setzen und stur danach greifen. Trotzdem ist es hilfreich, die Grundtypen zu kennen.
Aggro: Schnell und direkt
Ein Aggro-Deck im Limited setzt auf viele günstige Kreaturen (1–2 Mana), die in den ersten Zügen Druck aufbauen. Das Ziel ist es, den Gegner zu überrumpeln, bevor er seinen Plan umsetzen kann. Aggro-Decks in Limited haben typischerweise 15–17 Kreaturen, niedrige Manakurve und Sprüche, die Schaden machen oder gegnerische Blocker aus dem Weg räumen.
Weiß und Rot sind traditionell die stärksten Aggro-Farben in Limited. Weiß liefert viele günstige Flyer und Tempovorteil durch Tapdown-Effekte, Rot hat direkten Schaden und Haste-Kreaturen.
Der Vorteil von Aggro im Draft: Du musst nicht auf die perfekte Hand warten. Günstige Karten sind in Limited leichter zu picken, weil viele Spieler sich auf teure Bomben konzentrieren.
Control: Langsam und dominant
Ein Control-Deck dreht das Spiel um: Du willst die frühen Züge überleben, Kreaturen und Pläne des Gegners mit Removal, Counterspells und Blockern neutralisieren und in der Spätphase mit einer Überlegenheit an Karten und Ressourcen gewinnen.
Control-Decks in Limited brauchen viel Removal, einige solide Blocker in der Früh und mächtige Gewinnspieler für die Spätphase. Blau ist die klassische Control-Farbe, oft kombiniert mit Schwarz (das das beste Removal hat) oder Weiß.
Der Nachteil von Control im Draft: Du bist stärker abhängig von spezifischen Karten (Removal, Kartenzug). Wenn du nur wenig davon pickst, funktioniert das Konzept nicht.
Synergy-Decks: Mehr als die Summe der Teile
Viele Drafts sind um Set-spezifische Themen organisiert, die starke Synergien ermöglichen. Typische Beispiele sind:
- Tokens-Strategie: Viele kleine Kreaturen produzieren, dann mit einem Massenpump-Effekt alles angreifen
- Graveyard-Strategie: Karten in den Friedhof legen und von dort heraus Ressourcen gewinnen
- Equipment/Aura-Strategie: Eine Kreatur sehr stark machen und das Spiel durch sie gewinnen
- Skaleneffekte: Karten, die immer stärker werden, je mehr Karten eines bestimmten Typs du spielst
Synergy-Decks sind oft die stärksten Decks am Tisch — wenn sie funktionieren. Der Haken ist, dass du viele spezifische Karten picken musst, die manchmal auch für andere Strategien wertvoll sind. Wenn der Draft nicht mitspielt, bleibst du auf einem halbfertigen Synergie-Deck sitzen.
Als Einsteiger würde ich empfehlen, die ersten paar Drafts mit einem soliden Aggro- oder Midrange-Ansatz zu spielen und erst dann Synergien zu erkunden, wenn du das Set besser kennst.
Auf einen Blick
- Aggro: Günstige Kreaturen, hohe Kreaturenzahl, Tempo gewinnen — früh schaden und überwältigen
- Control: Viel Removal, Kartenzug, überlegene Spätphase — Gegner neutralisieren und dann dominieren
- Synergy: Set-spezifische Themen ausnutzen — stärker als die Summe der Einzelkarten
Cube Draft — Was ist das?
Cube Draft ist eine der beliebtesten Draft-Varianten und unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt vom normalen Booster Draft: Anstelle frisch gekaufter Boosterpacks draftst du aus einem sorgfältig kuratierten Kartenpool, dem sogenannten Cube.
Ein Cube ist eine persönlich zusammengestellte Sammlung von typischerweise 360 bis 720 Karten, die der Cube-Besitzer nach eigenen Präferenzen ausgewählt hat. Häufige Cube-Typen sind:
- Powered Cube oder Vintage Cube: Enthält die stärksten Karten aller Zeiten, darunter Power-9-Karten wie Black Lotus oder Ancestral Recall. Sehr schnelle und explosive Partien.
- Legacy Cube: Ähnlich, aber ohne die absolut stärksten Vintage-Karten. Immer noch sehr mächtig.
- Peasant/Pauper Cube: Nur Common- und Uncommon-Karten. Budget-freundlich, oft mit starkem Synergiedesign.
- Themen-Cube: Auf ein bestimmtes Thema ausgerichtet — zum Beispiel nur Karten aus einem bestimmten Block, oder nur Karten mit bestimmten Mechaniken.
Der große Vorteil von Cube Draft: Du musst keine Boosterpacks kaufen. Einmal den Cube aufgebaut (was natürlich eine Investition in Karten erfordert), kann er beliebig oft gedraftet werden. Das macht Cube zu einem Liebling in Spielergruppen, die regelmäßig zusammen spielen.
Der Ablauf ist identisch mit dem Booster Draft: 8 Spieler (oder auch 6 mit angepasstem Kartenpool), je 3 Packs à 15 Karten, Pickrunden, Deckbau, spielen. Der einzige Unterschied ist, dass die „Packs” aus dem Cube-Kartenpool zufällig zusammengestellt werden.
MTG Arena bietet regelmäßig Cube-Events an, bei denen ein von Wizards kurierter digitaler Cube gedraftet werden kann. Das ist eine großartige Möglichkeit, Cube Draft kennenzulernen, ohne einen eigenen Cube zu besitzen.
Winston Draft und andere Varianten
Neben dem klassischen Booster Draft und Cube Draft gibt es weitere Draft-Varianten, die besonders für kleinere Gruppen interessant sind. Die beliebteste davon ist der Winston Draft.
Winston Draft: Draft für zwei Spieler
Winston Draft ist für genau zwei Spieler ausgelegt — ideal, wenn ihr kein volles Tischformat zusammenbekommt. Der Ablauf:
Ein gemeinsamer Kartenpool wird gemischt und als verdeckter Stapel in die Mitte gelegt. Es werden drei kleine Stapel à einer Karte nebeneinander gelegt. Spieler 1 schaut sich Stapel 1 an: Er kann ihn nehmen oder ablehnen. Lehnt er ab, legt er die Karte zurück und fügt eine neue Karte aus dem Hauptstapel hinzu. Dann betrachtet er Stapel 2 — gleiche Entscheidung. Lehnt er wieder ab, schaut er Stapel 3 an. Lehnt er auch diesen ab, nimmt er die nächste Karte vom Hauptstapel. Dann ist Spieler 2 dran, der denselben Prozess durchläuft.
Der Vorteil: Wer Stapel immer wieder ablehnt, macht sie für den Gegner attraktiver. Winston Draft erzeugt so natürliche Spannung und Entscheidungsmomente, ohne einen vollen Tisch zu benötigen.
Rochester Draft: Open Drafting
Beim Rochester Draft werden die Karten offen gedraftet — jeder kann sehen, welche Karte jeder Spieler pickt. Das macht Rochester Draft zu einer intensiv sozialen Erfahrung, bei der Lesen der Gegner und taktisches Blocken bestimmter Picks explizit möglich ist. Rochester Draft wird kaum noch gespielt, hat aber eine treue Fangemeinde in der kompetitiven Szene.
Grid Draft: Schnell und einfach
Grid Draft funktioniert mit einem 3×3-Raster aus Karten. Spieler wählen abwechselnd entweder eine vollständige Reihe oder eine vollständige Spalte. Die gewählten Karten landen im eigenen Stapel, der Rest wird weggelegt und ein neues Raster aufgebaut. Sehr schnell und einsteigerfreundlich.
Draft in MTG Arena
MTG Arena bietet mehrere Möglichkeiten, Draft zu spielen — das Format ist auf der Plattform extrem beliebt.
Premier Draft
Premier Draft ist das Hauptdraft-Format auf MTG Arena. Du draftest alleine gegen KI-Bots (die Picks der anderen sieben „Spieler” werden simuliert) und spielst dann dein Deck in der Rangliste gegen echte Gegner. Premier Draft ist im Best-of-1-Format (außer in bestimmten Events), was Partien schneller macht.
Der Eintritt kostet 1.500 Gems oder 10.000 Gold. Du spielst, bis du entweder 7 Siege oder 3 Niederlagen hast. Je nach Ergebnis bekommst du Karten-Belohnungen zurück.
Traditional Draft
Traditional Draft ist das kompetitivere Draft-Format auf Arena. Auch hier draftest du gegen Bots, aber du spielst im Best-of-3-Format mit Sideboard, wie es auf Turnieren üblich ist. Der Eintritt kostet 1.500 Gems. Traditional Draft ist für Spieler geeignet, die das Turnierformat üben wollen oder einfach lieber mit Sideboard spielen.
Quick Draft
Quick Draft ist die günstigere Option — Eintritt nur 750 Gems oder 5.000 Gold. Das Format ändert sich regelmäßig und nutzt ältere Sets. Gut zum Üben und Karten sammeln ohne großen Ressourcenaufwand.
Sealed statt Draft: Die andere Limited-Variante
Neben Draft gibt es als weitere Limited-Variante das Sealed-Format: Dort öffnest du 6 Boosterpacks und baust aus diesen 90 Karten allein ein Deck — ohne Auswahl durch andere Spieler. Sealed ist zufälliger als Draft, aber oft zugänglicher für Einsteiger, weil du nicht picken musst.
Tipps für Draft-Einsteiger
Nach vielen Jahren Draft-Erfahrung habe ich einige Ratschläge gesammelt, die mir zu Beginn sehr geholfen hätten. Hier die wichtigsten:
Tipp 1: Kenn das Set, bevor du draftst. Schau dir vorab die Set-Previews oder Karten-Spoiler an. Du musst nicht jede Karte auswendig kennen, aber die Kernmechaniken des Sets zu verstehen hilft enorm. Welche Farbkombinationen werden unterstützt? Welche Keywords sind wichtig? Was sind die stärksten Karten?
Tipp 2: Halte Packs verdeckt. Während andere picken, solltest du dir deine eigenen gepickten Karten nicht nochmals anschauen. Das verlangsamt den Draft und lenkt ab. Schau dir stattdessen das neue Pack vollständig an, triff deine Entscheidung und gib weiter.
Tipp 3: Triff Picks zügig. Draft hat ein natürliches Tempo. Wenn du bei jedem Pick lange zögerst, verlangsamt das den ganzen Tisch. Nimm dir für besonders schwierige Entscheidungen Zeit, aber arbeite grundsätzlich zügig.
Tipp 4: Baue dein Deck trocken vor dem Sitzen. Im Deckbau hast du 20–30 Minuten. Nutze sie vollständig aus. Sortiere deine Karten zuerst nach Farben, dann nach Manawert. Lege verschiedene Deckvariationen, bevor du dich festlegst.
Tipp 5: Vertraue dem Mulligan. Im Limited kannst und solltest du aggressiv mulliganen. Ein Sieben-Karten-Hand ohne Land ist schlechter als fast jede Sechs-Karten-Hand. Ein Land ist besser als keines.
Tipp 6: Analysiere nach dem Draft. Was hat funktioniert? Welche Picks bereust du? Was hättest du früher/später picken sollen? Draft verbessert sich am schnellsten durch bewusstes Nachdenken über die eigenen Entscheidungen — nicht nur durch Erfahrung allein.
Tipp 7: Spiele, auch wenn dein Deck suboptimal ist. Niemand baut beim ersten Draft ein perfektes Deck. Das Spielen mit einem schlechten Deck ist eine eigene Fähigkeit, die du nur durch Erfahrung entwickelst. Jede Partie lehrte mich mehr als jeder Ratgeber.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viele Karten darf ich im Draft-Deck spielen?
Mindestens 40 Karten. Du kannst auch mehr spielen, aber das wird fast nie empfohlen, weil es deine Wahrscheinlichkeit senkt, deine besten Karten zu ziehen. Alle Karten, die du gepickt, aber nicht ins Hauptdeck genommen hast, bilden automatisch dein Sideboard.
Kann ich auch alleine (Solo) Booster draften?
Technisch ja — es gibt Varianten wie den Solo-Draft oder das „Pack 1, Pick 1”-Übungsformat, bei dem du einfach Packs öffnest und für dich optimal auswählst. Auf MTG Arena kann man in bestimmten Events ebenfalls „Solo-Draft” spielen. Es fehlt aber das Signaling-Element, das echten Draft so spannend macht.
Was passiert mit meinen gepickten Karten nach dem Draft?
Bei einem normalen Booster Draft im Spieleladen gehören dir die gepickten Karten nach dem Event. Du nimmst dein gesamtes gepicktes Kartenpool mit nach Hause. Bei Turnieren oder bestimmten Store Events kann das anders geregelt sein — frag im Zweifel vorher nach.
Wie teuer ist Draft?
Auf MTG Arena kostet Quick Draft 750 Gems oder 5.000 Gold, Premier Draft und Traditional Draft je 1.500 Gems. Je nach Ergebnis (Siege im Event) bekommst du Karten, Gold oder Gems zurück — bei einem guten Lauf kann sich ein Draft komplett selbst finanzieren. Das ist deutlich planbarer als der physische Booster-Kauf im Laden, wo die Kosten unabhängig vom Ergebnis feststehen.
Kann man auch mit weniger als 8 Spielern draften?
Ja, mit angepassten Regeln. Bei 6 Spielern nimmt jeder 4 Packs. Bei 4 Spielern ebenfalls 4 oder sogar 5 Packs. Die Pick-Richtungen bleiben gleich. Mit 2 Spielern nutzt man Winston Draft oder ähnliche Varianten.
Gibt es beim Draft eine sinnvolle Reihenfolge, welche Kartentypen ich zuerst baue?
Im Deckbau empfehle ich: Sortiere zuerst nach Farben, dann nach Manawert. Lege dir die 2-Farben-Kombinationen nebeneinander und schau, welche die stärkste Gesamtkurve, die meisten Removal-Karten und die meisten Bomben bietet. Dann entscheid dich für eine Kombination und sortiere nochmal durch.
Draft ist für mich das Format, das Magic lebendig hält. Kein Draft gleicht dem anderen, kein Deck gleicht dem anderen, und jede Partie fühlt sich anders an als die letzte. Wenn du bisher nur mit fertigen Decks gespielt hast, empfehle ich dir dringend, deinen nächsten Freitagabend im Spieleladen zu verbringen und einfach mitzudraftten. Die Community an den Drafttischen ist meistens super offen für Einsteiger.
Falls du noch mehr über die verschiedenen Magic-Formate erfahren willst oder verstehen möchtest, wie das Mulligan in Limited richtig funktioniert — beides erkläre ich in separaten Ratgebern. Viel Spaß beim Picken!