Ein Raumschiff, das durch angelegte Kreaturen zur 20/20 heranwächst und danach fliegt. Ein Land, das gleichzeitig ein Planet ist. Eine Kreatur, die du günstiger aus der Hand spielst, wenn du sie danach kurz aus dem Spiel nimmst, um sie später erneut zu casten. Nichts davon gab es in Magic vor August 2025.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Release: Edge of Eternities erschien am 1. August 2025 im Tabletop, auf MTG Arena schon am 29. Juli 2025. Scryfall zählt 271 reguläre Set-Karten (86 Common, 100 Uncommon, 60 Rare, 25 Mythic), inklusive Bonus- und Sonderdrucken insgesamt 399
- Legalität auf Arena: Standard, Pioneer, Historic, Timeless, Alchemy und Standard Brawl/Brawl legal. Kein separates Eternal-only-Sonderformat wie bei manchen Crossover-Sets
- Neue Mechaniken: Warp, Station und das Ability-Wort Void, dazu die neuen Permanenten-Typen Planet (Land) und Spacecraft (Artefakt)
- Begleitprodukt: Edge of Eternities Commander mit zwei neuen Precon-Decks (Set-Code eoc), deren Karten auf Arena in Historic Brawl spielbar sind, aber nicht in Standard
- Wichtigste Wildcard-Investition: Tezzeret, Cruel Captain, die vielseitigste Mythic-Karte des Sets für Artefakt-Decks in Standard, Historic und Brawl
Edge of Eternities ist kein weiteres Lizenz-Crossover wie Final Fantasy oder Avatar: The Last Airbender. Wizards hat sich ein komplett eigenes Sci-Fi-Setting ausgedacht, mit eigenen Planeten, eigenen Alien-Völkern und Mechaniken, die es vorher nicht gab. Auf MTG Arena war das Set bereits am 29. Juli 2025 spielbar, drei Tage vor dem Tabletop-Start am 1. August. Das ist ungewöhnlich geworden. Zuletzt haben Universes-Beyond-Sets den Kalender dominiert, bei denen Magic fremde Marken einkleidet statt eigene Welten zu bauen.
Warum ein Sci-Fi-Set?
Magic hatte schon vorher Anleihen bei Science-Fiction. Kaladesh war Steampunk mit Erfindergeist, Aetherdrift schickte Planeswalker auf eine Rallye durch den Multiversum. Doch das waren immer Fantasy-Welten mit Technik-Einschlag, keine echten Sci-Fi-Settings. Edge of Eternities geht weiter: Raumschiffe, die als eigener Kartentyp existieren. Planeten, die gleichzeitig Länder sind. Alien-Völker, die keine Fantasy-Archetypen recyceln, sondern eigene Kreaturentypen bekommen, etwa Jellyfish, Insekt und Robot.
Der Unterschied zu Final Fantasy oder Avatar ist strukturell, nicht nur thematisch. Beide Crossover-Sets liehen sich fertige Figuren und mussten sie in Magics Regelwerk pressen. Bei einem eigenen Setting kann Wizards umgekehrt vorgehen und neue Kartentypen direkt für die Geschichte erfinden, die erzählt werden soll. Dass es zum Set ein eigenes Commander-Produkt gibt statt nur ein paar Sonder-Precons, spricht ebenfalls dafür, dass Edge of Eternities als vollwertiges neues Kapitel der Magic-Continuity gedacht ist und nicht als einmaliger Ausflug.
Mechaniken des Sets
Drei neue Mechaniken bestimmen das Set, dazu zwei neue Permanenten-Typen.
Warp ist eine alternative Zauberkosten-Fähigkeit. Du castest eine Kreatur für ihre günstigere Warp-Kosten, sie wird am Ende des Zuges exiliert und du darfst sie später erneut aus dem Exil casten, diesmal für die reguläre Kostenklausel. Auf Astelli Reclaimer liest sich das so: „Warp {2}{W}” für eine Kreatur, die regulär {3}{W}{W} kostet. Fürs Tempo zahlst du also weniger, holst dir den Effekt sofort und bekommst die Karte später ein zweites Mal.
Station funktioniert wie eine Umkehrung von Crew. Du tappst eigene Kreaturen, um Ladungszähler in Höhe von deren Stärke auf ein Spacecraft oder ein Planet-Land zu legen. Ab bestimmten Zähler-Schwellen (typischerweise 10+ und 20+) schaltet die Karte neue Fähigkeiten frei oder wird selbst zur Kreatur.
Void ist kein aktivierbares Schlüsselwort, sondern ein Ability-Wort für Trigger-Bedingungen: Ein Effekt tritt zusätzlich ein, wenn in diesem Zug ein Nicht-Land-Permanent das Spielfeld verlassen hat oder ein Zauberspruch mit Warp gecastet wurde. Das verzahnt Warp direkt mit Void und belohnt Decks, die beide Mechaniken kombinieren.
Dazu kommen zwei neue Permanenten-Typen: Planet als Subtyp für Länder, die zusätzliche Fähigkeiten wie Station mitbringen können, und Spacecraft als Subtyp für Artefakte, die über Station zu Kreaturen werden. Beide Typen gab es vor diesem Set nicht.
Die wichtigsten Karten
Tezzeret, Cruel Captain (Mythic)
Ein 3-Mana-Planeswalker ohne Farbanforderung im Cast, dafür rein artefaktbasiert im Spiel. Seine Null-Fähigkeit enttappt ein Artefakt oder eine Kreatur und legt bei Artefaktkreaturen noch einen +1/+1-Zähler drauf, seine −3 sucht eine Artefaktkarte mit Manawert 1 oder weniger direkt in die Hand. Jede Artefaktkreatur, die ins Spiel kommt, gibt ihm zusätzlich einen Loyalitätszähler, wodurch er sich in Artefakt-Decks selbst schützt. Für mich die interessanteste Karte des Sets, weil sie in praktisch jedem Artefakt-Brawl-Deck sofort spielbar ist, ohne dass man die Manabasis dafür verbiegen muss.
Dawnsire, Sunstar Dreadnought (Mythic)
Das Paradebeispiel für Station. Für {5} bekommst du ein Spacecraft, das erst einmal nichts tut außer da zu liegen. Tappst du eigene Kreaturen, um Ladungszähler draufzulegen, wird es ab 20 Zählern zur 20/20-Artefaktkreatur mit Fliegend, ab 10 Zählern verursacht es beim Angriff zusätzlich 100 Schadenspunkte an eine Kreatur oder einen Planeswalker deiner Wahl. Das Ding baut sich buchstäblich vor deinen Augen zum Schlachtschiff zusammen. Für Go-wide-Strategien mit vielen kleinen Kreaturen ein natürlicher Finisher, weil du die Tap-Fähigkeiten sonst ungenutzt lässt.
Alpharael, Stonechosen (Mythic)
Eine 3/3 für {3}{B}{B} mit Ward in Form von zufälligem Handkarten-Diskard und der Void-Fähigkeit: Greift Alpharael an und ist in diesem Zug ein Nicht-Land-Permanent vom Spielfeld verschwunden oder wurde ein Zauberspruch mit Warp gecastet, verliert der verteidigende Spieler die Hälfte seines Lebens, aufgerundet. In einem Deck mit eigener Opfer- oder Warp-Unterstützung ist das ein wiederholbarer Beinahe-Kill jeden Angriff. Die Karte zeigt gut, wie eng Void mit Warp verzahnt ist, weil Warp-Zaubersprüche die Void-Bedingung selbst auslösen.
Susur Secundi, Void Altar (Mythic)
Ein getappt einlaufendes Schwarz-Land vom Typ Planet, das über {T} normal Mana produziert, aber zusätzlich Station trägt. Ab 12 Ladungszählern kannst du für {1}{B} plus Tap plus 2 Lebenspunkte eine Kreatur opfern und so viele Karten ziehen wie ihre Stärke beträgt, einmal pro Zug als Hexerei. Ein Land, das sich im späteren Spiel in eine Opfer-Engine verwandelt, ist genau die Art von Design, die vorher schlicht nicht existierte, weil es den Kartentyp Planet gar nicht gab.
Astelli Reclaimer (Rare)
Eine fliegende 5/4 für {3}{W}{W}, die beim Einsatz ein Nicht-Kreatur-, Nicht-Land-Permanent aus dem Friedhof zurückholt, dessen Manawert höchstens so hoch ist wie das dafür bezahlte Mana. Wichtig: Sie hat Warp {2}{W}. Castest du sie günstig über Warp zurück, bekommst du den Reanimations-Effekt trotzdem, nur eben mit kleinerem X, weil weniger Mana bezahlt wurde. Später aus dem Exil regulär gecastet, bringt sie den Effekt ein zweites Mal mit vollem Wert. Zwei Enters-the-battlefield-Trigger für eine Karte, wenn man Warp mitdenkt.
Anticausal Vestige (Rare)
Eine 7/5-Eldrazi für {6} mit Warp {4}. Verlässt sie das Spielfeld, ziehst du eine Karte und darfst danach eine Permanenten-Karte mit Manawert bis zur Anzahl deiner Länder direkt aus der Hand ins Spiel setzen, getappt. Da Warp-Kreaturen am Ende des Zuges automatisch exiliert werden, triggert dieser Effekt zuverlässig auch dann, wenn niemand sie entfernt. Die Eldrazi-Kreaturart bleibt hier erhalten, nur diesmal eben eingebettet in ein Sci-Fi- statt Fantasy-Set, was gut zeigt, wie Wizards bestehende Alien-Stämme in das neue Setting integriert hat statt sie zu ignorieren.
Lohnt sich der Kauf? / Fazit
Für Brawl-Spieler lohnt sich Edge of Eternities schon allein wegen der Bandbreite an sofort spielbaren Karten. Tezzeret, Cruel Captain, Dawnsire, Alpharael und Susur Secundi kosten dich zwar jeweils eine Mythic-Wildcard, tragen dafür aber auch komplette Deck-Strategien statt nur Nischenrollen zu füllen. Wer ein Artefakt-, Aristokraten- oder Landfall-Deck baut, findet hier direkt einsetzbare Karten, ohne dass man wie bei manchen Crossover-Sets für den Charakter-Bonus draufzahlt.
Die zwei neuen Mechaniken Warp und Station sind kein Regel-Reskin bekannter Konzepte. Warp gibt dir zweimal einen Karteneffekt für eine Karte, wenn du bewusst mit dem Timing spielst. Station verwandelt Fluff-Text in echte Deckbau-Entscheidung: Willst du deine Kreaturen tappen, um ein Spacecraft hochzuziehen, oder lieber angreifen? Beides fühlt sich neu an, statt nur ein bekanntes Keyword umzubenennen.
Als eigenständiges Sci-Fi-Setting nehme ich Edge of Eternities positiv wahr, gerade weil es sich traut, mit Planet-Ländern und Spacecraft-Artefakten neue Kartentypen einzuführen statt bestehende zu recyceln. Wer Artefakt- oder Sacrifice-Strategien in Brawl spielt, sollte sich Tezzeret, Cruel Captain und Alpharael, Stonechosen genauer ansehen, beide Standard-legal und damit auch für Standard Brawl geeignet. Wer lieber gleich ein fertiges Grundgerüst will: Mit Edge of Eternities Commander gibt es zwei Precon-Decks, angeführt von den Spacecraft-Kommandanten Hearthhull, the Worldseed (Schwarz-Rot-Grün, Länder-Fokus) und Inspirit, Flagship Vessel (Weiß-Blau-Rot, Artefakt-Fokus). Beide sind auf Arena in Historic Brawl spielbar, aber nicht Standard-legal.
Mehr zu anderen Sets: MTG Sets 2026. Einen Überblick über die Lizenz-Crossover-Sets bietet der MTG Universes Beyond Ratgeber. Wie die Standard-Rotation auf Arena funktioniert, erklärt der MTG Standard Rotation 2026 Ratgeber. Mehr zu Brawl liest du im MTG Brawl erklärt Ratgeber und im Historic-Brawl-Decks-Guide. Wie viele Wildcards du für ein neues Deck brauchst, zeigt der MTG Arena Wildcards Guide.